Osmanisches Reich

1299 — 1922

Einleitung

Das Osmanische Reich war über 600 Jahre lang eine der prägenden Mächte der Weltgeschichte. Es entstand 1299 aus einem kleinen Fürstentum in Anatolien unter Osman I. Durch geschickte Diplomatie und militärische Stärke wuchs es zu einem Imperium, das drei Kontinente umspannte: Europa, Asien und Afrika. Die strategische Lage erlaubte die Kontrolle über den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen Orient und Okzident.

Zentrum dieser Macht war ab 1453 Konstantinopel, das als Istanbul zur prächtigsten Metropole der damaligen Welt aufstieg. Trotz sunnitisch‑islamischer Prägung war das Reich multi‑ethnisch und multireligiös. Das Millet‑System gewährte religiösen Gemeinschaften weitgehende Selbstverwaltung und sorgte lange Zeit für soziale Stabilität, bis moderne Nationalbewegungen im 19. Jahrhundert den Zerfall einleiteten.

Gründung1299 durch Osman I.
AusdehnungHöhepunkt im 16. Jhd.
HauptstadtIstanbul (Konstantinopel)
StaatsformTheokratische Monarchie

Chronologische Entwicklung

1300

GRÜNDUNG

Beginn der osmanischen Herrschaft unter Osman I.

Aufstieg des Osmanischen Reichs zur Weltmacht

Der Aufstieg des Osmanischen Reichs begann bereits im 13. Jahrhundert, wo es zunächst noch ein kleines Fürstentum unter Osman I war. Es wurde aber immer größer und mächtiger, und dank seiner guten Lage sowie seiner guten Organisation und Verwaltung konnte es sich schnell ausdehnen. Im 14. und frühen 15. Jahrhundert hat es dann große Teile der heutigen Türkei und des Balkans erobert. Im Jahr 1453 wurde Konstantinopel, das zuvor mal Hauptstadt des byzantinischen Reiches war, dann nach einer 53-tägigen Belagerung erobert. Die Belagerung Konstantinopels begann am 6. April 1453 unter Sultan Mehmed II., der mit einem Heer von 80000 osmanischen Soldaten zur Stadt kam, während Kaiser Konstantin nur etwa 8000 Soldaten hatte. Da Konstantinopel jedoch mit einer dicken Mauer gesichert war, brauchten die Osmanen starke Waffen, darunter große Kanonen, die bis zu 800 kg schwere Kugeln abfeuern konnten, um diese Mauer zu durchbrechen. Da das Byzantinische Reich, dessen Hauptstadt Konstantinopel war, bereits stark geschwächt war und zum Schluss nur noch winzig war, konnten die Osmanen es leichter einnehmen. Am 29. Mai 1453 fiel die Stadt schließlich und durch die Eroberung Konstantiopels verschwand auch der letzte Rest des römischen Reiches. Die orthodoxe Kirche in der Stadt, die Hagia Sophia, wurde in eine Moschee umgewandelt. Durch die Eroberung war Konstantinopel nun die Hauptstadt der Osmanen und damit gewann das osmanische Reich deutlich an Macht. Das Reich war so mächtig, da es genau in der Mitte zwischen dem Westen (Europa) und dem Osten (Asien) war und damit Kontrolle über damals wichtige Handelswege hatte. Zudem hatte das Reich auch eine wichtige religiöse Bedeutung, da die Osmanen die Anführer der sogenannten "sunnitischen" Muslime waren. Auch hatte das osmanische Reich eine gut disziplinierte Armee und ein großen Vorrat an Waffen, wie zum Beispiel Kanonen, wodurch es eine starke Militärmacht war und seine Gegner leicht bekämpfen konnte. Das Reich umfasste zu seinem Höhepunkt Gebiete von Nordafrika, des Balkans und des Nahen Ostens und hatte im Jahr 1683 eine Fläche von 5,2 Millionen Quadratkilometern. Dieser Aufstieg zur Weltmacht fand hauptsächlich unter den Sultanen Selim I. und Süleymann dem Prächtigen statt, welche das Reich um die heutigen Länder Ägypten, Syrien und Ungarn erweiterten

Das Osmanische Reich und Europa in der Frühen Neuzeit

In der Frühen Neuzeit war die Beziehung zwischen Europa und dem Osmanischen Reich sehr wechselhaft. Die europäischen Staaten sahen ihren östlichen Nachbarn mit einer Mischung aus Angst und Bewunderung, was über Jahrhunderte den politischen und kulturellen Austausch prägte.

Das Osmanische Reich als Gefahr

Für Europa war das Osmanische Reich zunächst eine direkte Bedrohung. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 eroberte es weitere Gebiete in Europa. Die Belagerungen Wiens (1529 und 1683) zeigten die Reichweite seiner Macht, besonders gefürchtet waren die Janitscharen. Die Bedrohung war nicht nur militärisch: als islamische Macht wurde das Reich als Gefahr für das christliche Europa gesehen. In vielen Berichten wurden die Osmanen als grausame Eroberer dargestellt und die politische Ordnung stieß auf Ablehnung, da der Sultan mit großer Macht herrschte.

Das Osmanische Reich als Partner für Austausch

Trotz der Kriege gab es viel friedlichen Kontakt. Der Handel war lebendig; begehrte Waren wie Kaffee, feine Stoffe, Teppiche und Tulpen veränderten den europäischen Alltag und etablierten Kaffeehäuser als neue Treffpunkte. Kulturell war das Osmanische Reich ein Vorbild: „Turquerie“ war in Mode, Wissen wurde ausgetauscht, die Europäer lernten von osmanischer Medizin, übernahmen Militärtechnik und bewunderten die größere religiöse Toleranz im Reich.

Die langfristigen Folgen der Beziehung

Die Osmanen sahen Europa vor allem als Quelle neuer Technologien und als mögliches Eroberungsgebiet. Für Europa trug die Abgrenzung vom Osmanischen Reich dazu bei, ein gemeinsames Identitätsgefühl als „der Westen“ zu entwickeln. Die Bilder des Orient als Gefahr und Faszination prägten den europäischen Geist lange und wurden zur Grundlage des Orientalismus. Als das Osmanische Reich im 18. und 19. Jahrhundert schwächer wurde, änderte sich seine Rolle von gefürchtetem Gegner zu „kranker Mann am Bosporus“, unter dem Einfluss anderer Großmächte.

Die Belagerung Wiens

Die erfolglose Belagerung Wiens von dem 14. Juli bis zum 12. September 1683 des Osmanischen Reiches war das Ende des osmanischen Vormarsches in Mitteleuropa, weswegen dies als Wendepunkt des sogenannten Türkenkrieges gilt. Wien wurde belagert, da es an zwei wichtigen Handelsrouten lag und aus Sicht der Osmanen aufgrund seiner Lage zwischen den Alpen und Karpaten wie ein Tor zum Rest von Europa wirkte. Das osmanische Heer, welches rund 130000 Mann beinhaltete und wurde von dem Großwesir Kara Mustafa Pascha angeführt wurde, begann 14. Juli 1683 mit der Belagerung Wiens, hierbei waren die Wiener sehr schlecht auf die Belagerung vorbereitet, weswegen ein Großteil der Bevölkerung floh, weiterführend blieben nur etwa 15000 Soldaten unter der Führung von Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg zur Verteidigung der Stadt und es kam zu einer Knappheit an Waffen und Lebensmitteln was zu Krankheit und Hungersnöten innerhalb der Stadt führte. Die Osmanen versuchten mithilfe von Artilleriebeschuss und der Untertunnelung und Sprengung dieser Tunnel die Stadtmauern zu sprengen. Dies gelang ihnen an manchen Stellen, wobei der Großwesir jedoch auf den Sofortigen Großangriff verzichtete und darauf bestand die Stadt durch die Zermürbung stetiger Belagerung zu Fall zu bringen.

Währenddessen bildete sich ein Entsatzheer, also ein Heer das die durch Belagerung eingeschlossenen Soldaten in Wien befreien soll, aus Truppen des Römischen Reiches, Bayern, Sachsen und Franken und dem Polnischen Heer, hierbei hatte Karl V.Von Lothringen den Oberbefehl und der polnische König Johann III. Sobieski führte den rechten Flügel. Dieses Entsatzheer greift das osmanische Belagerungsheer am 12. September 1683 vom Kahlenberg aus erfolgreich an, nach rund 12 Stunden von kämpfen gelang es den Christlichen Streitmächten die Übermacht zu gewinnen und die Überreste des osmanischen Heeres flüchten, was das Ende der Belagerung ist. Bei der Verfolgung des Heeres jedoch gerät das polnische Heer jedoch in eine Unterzahl und müssen sich zurückziehen. Am 21. Oktober wird der Großwesir aufgrund seiner Niederlage auf Befehl des Sultans erdrosselt. Als Folge dieses Konfliktes kam es zum immer weiteren zurückdrängen der Osmanen in der Region und der Zurückeroberung des damaligen Ungarischen Königreiches.